5 Fragen an …
5 Fragen an Yannick Zimmermann
Miiiiuuuu! In der heutigen Ausgabe von »5 Fragen an …« werden wir leider ziemlich wehmütig: Yannick verlässt uns! Seit 2017 hatte er seine Finger in so gut wie jedem Bereich der c/o pop – und ist eigentlich gar nicht wegzudenken. Aber fair enough – die Kolleg*innen von Rausgegangen haben ihn jetzt und wir müssen irgendwie alleine klarkommen (wer spielt und komponiert denn ab jetzt die Songs bei all unseren Team-Events???). Zum Glück bleibt er wenigstens dem Musikbusiness und somit zu Teilen auch uns erhalten. Hier also »5 Fragen an … Yannick Zimmermann«:
Was war dein legendärster Festivalmoment in zehn Jahren c/o pop und gab es auch in diesem Jahr einen, der besonders hängen bleiben wird?
Es war eine unglaubliche Reise, zehn Jahre lang das c/o pop Festival mitgestalten zu dürfen. Selbstverständlich gab es mehrere Highlights. Das Festival war noch so anders, als es in der gesamten Stadt verteilt war, bevor wir 2019 unsere Festivalzentrale in Köln-Ehrenfeld aufbauten und uns dort bis heute wohlfühlen. Mir bleibt als erfolgreichstes und schönstes Jahr 2023 im Kopf, bei dem ich über 40 Festival-Veranstaltende aus ganz Europa empfangen und über unser Festival führen durfte. Diese wunderbaren Menschen, mit denen ich jahrelang im Festivalnetzwerk DeConcert! zusammengearbeitet habe, entdeckten hier in Köln deutsche Acts, wir entwickelten neue Projekte und feierten 20 Jahre c/o pop Festival und die erfolgreichen Geschichten unserer Netzwerkarbeit.
Welche Entwicklung des Festivals/der Convention hat dich am meisten überrascht?
Die zwei Editionen, die wir in den Jahren 2020 und 2021 aufgrund der Covid-Pandemie komplett umgestalten mussten, haben zu einem großen internen Wandel geführt. Verrückterweise haben wir unsere Firma und das Festival genau in diesen zwei Jahren frisch und positiv neu ausgerichtet, unsere internen digitalen Prozesse verbessert, ein besseres Controlling und eine klare Teamstruktur geschaffen und so tolle Mitarbeiter*innen über Jahre gehalten. Das führte ab 2022 zu grandiosen Festivals in Ehrenfeld, die alle viel wirkungsvoller und erfolgreicher waren als in den Jahren vor der Pandemie. Convention und Festival sind näher zusammengerückt, alles ist seitdem fußläufig erreichbar und es kommen so viele tolle und wichtige Delegates. Das ist eine der schönsten Entwicklungen: Sehr wichtige, branchenrelevante Unternehmen haben die c/o pop fest in ihren Jahreskalendern und kommen nicht nur mit ihren Führungskräften, sondern auch mit vielen anderen Mitarbeiter:innen aus verschiedensten Altersgruppen und Positionen.
Welche Backstage-Story wirst du niemals vergessen (und kannst sie hier erzählen)?
In den Backstage-Bereichen des c/o pop Festivals hatten wir in den letzten Jahren natürlich immer wieder spannende Künstler*innen mit ihren verrückten Ridern und Crews. Scooter, Ski Aggu, Ikkimel, Leoniden, Drangsal – das waren einige der ganz besonderen Artists, die unsere Crew auf Trab hielten. Für mich sind aber vor allem die Backstage-Geschichten im Kopf geblieben, die ich auf anderen Festivals erleben durfte, zu denen ich dank meiner Arbeit bei der c/o pop eingeladen wurde: vom wunderschönen Backstage-Bereich unter Bäumen am Fluss beim Paléo Festival in der Schweiz bis hin zum Backstage-Zelt direkt am Schloss mit Blick aufs Mittelmeer beim Marsatac Festival in Marseille. Vor zwei Jahren sollte ich dann um 5 Uhr morgens im Backstage des Artrock Festivals in der Bretagne auflegen, als noch diverse Künstler*innen vor Ort waren. Was mir aufgrund der vielen Getränke aber nicht mehr ganz so gut gelang … ;-)
Welche Tradition oder Eigenheit der c/o pop wirst du am meisten vermissen?
Die Verrücktheit des c/o pop-Booking-Teams. Ich bin sehr froh, dass ich jahrelang im Programm-Team mitarbeiten und all die Brainstorming-Sessions – vor allem aber die professionelle, lustige und familiäre Atmosphäre bei der Programmgestaltung – erleben durfte. Dass wir begonnen haben, nicht-musikalische Programmpunkte (Experience) in unsere Line-ups und Venues zu integrieren, macht dieses Festival so einzigartig. Wahrscheinlich werde ich woanders nie wieder eine solche Dichte an verrückten und genialen Programmpunkten sehen. Danke an das Booking-Team dafür – vor allem für Highlights wie das Baggerfahren, das Übernachten im Artheater, Hobby Horsing, die Drohnenshow und natürlich die abgedrehten Delegates-Specials, die gewöhnliche Empfänge und langweilige Speed-Meetings längst in den Schatten gestellt haben.
Stell dir vor, du bekommst für einen Tag ein unlimitiertes c/o-pop-Budget: Was ist das völlig übertriebene, aber heimlich schon lange geträumte Projekt, das du sofort umsetzen würdest?
Ich wünsche mir für einen Tag französische Croissants (all you can eat) und Champagner (all you can drink) für alle Besucher*innen und Künstler*innen des c/o pop Festivals. Eurostar und die Deutsche Bahn bringen aus ganz Europa Künstler*innen und Delegates zum Festival. Natürlich würde ich alle BVB- und FC-Köln-Spieler*innen in einen riesigen Backstage-Bereich einladen und mit ihnen Karaoke singen. In beiden Stadien der Vereine fänden zudem c/o pop-Konzerte und Empfänge statt. Auf der Convention würden an diesem Tag ausschließlich Praktikant*innen verschiedenster Firmen auf den Panels sprechen und dafür besonders hohe Gagen erhalten, während die Chefs morgens auf der Straße und in den Venues beim Aufräumen helfen müssten. Der Nachwuchs soll weiterhin auf jeder Ebene des Festivals gefördert werden – für einen Tag aber noch intensiver als sonst.
Yannick Zimmermann ist seit 2017 fester Bestandteil der c/o pop. Sein Weg begann mit einem Praktikum, gefolgt von einer Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann, durch die er Einblicke in nahezu alle Unternehmensbereiche erhielt. Über Jahre hinweg prägte er als Verantwortlicher für Showcases und Partnerschaften sowie als Mitglied des Booking-Teams das Festival maßgeblich mit; zuletzt verantwortete er das Controlling der Firma. Parallel dazu engagierte er sich von 2021 bis April 2026 als Vorstandsmitglied im internationalen Festivalnetzwerk DeConcert!, durch das er nun bestens in der europäischen Musikbranche vernetzt ist. Ab Mai 2026 schlägt Yannick ein neues Kapitel bei Rausgegangen auf.