5 Fragen an …

5 Fragen an Oliver von Felbert

5 Fragen an Oliver von Felbert

»Die magischen Momente entstehen, wenn Leute gemeinsam in einem Raum sind.« Nur weil die c/o pop offiziell längst vorbei ist, heißt es nicht, dass ihr keinen Newsletter mehr von uns ins Mailfach bekommt. Wir haben trotzdem Bock auf unser Format »5 Fragen an …«, (ihr hoffentlich auch?) – und genau die stellen wir heute Olski von Melting Pot Music. Im nächsten Jahr wird Melting Pot zackige 25 Jahre alt. Kein Grund zu feiern, findet Olski – geplant ist bisher nichts. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, ein bisschen Zeit ist ja schließlich noch. (@Olski: Lies mal dein eigenes Zitat oben!) Bis dahin wünschen wir euch ganz viel Spaß mit »5 Fragen an …«!

Warum entstehen viele starke Subkulturen heute eher online als auf der Straße oder in Clubs?

Weil alle immer aufs Handy gucken und weniger Sozialkontakte haben? Eine subkulturelle Akteurin mit hoher Bildschirmzeit macht wahrscheinlich viele Subkulturdinge online. Ich stimme der These aber nur bedingt zu. Ich denke, Szenen entstehen online und an dritten Orten und das ist nicht neu. Vor 20 Jahren haben wir Artists bei MySpace entdeckt und uns dann im Club getroffen. Reine Online-Beziehungen haben selten die Qualität und Tiefe von analogen. Man kann Files tauschen und gute Tracks machen. Die magischen Momente entstehen aber, wenn Leute gemeinsam in einem Raum sind. Ähnliches gilt für Begegnungen im Plattenladen, auf der Tanzfläche oder vor und auf der Bühne.

Glaubst du, dass Popkultur heute noch rebellisch sein kann, obwohl vieles sofort vermarktet wird?

Eine Vermarktung setzt voraus, dass Kreative sich vermarkten lassen. Diese Entscheidung trifft jede:r für sich selbst. Richtig ist natürlich auch, dass man sich Nichtvermarktung leisten können muss. Ich finde es uncool und nicht kredibil, wenn ein Artist Markenbotschafter*in ist oder Softdrinks verkauft. Ich kann aber niemanden, der/die wenig Kohle hat, dafür kritisieren, eine solche Chance zu ergreifen. Geld und Ruhm sind harte Drogen und die Unterhaltungsindustrie ist sehr gut darin, ihre Klient*innen an der Nadel zu halten. Gleichzeitig wird das, was ich vielleicht Ausverkauf nenne, von vielen Fans positiv bewertet. In einer Zeit, wo Influencer*in als Traumjob gilt, kann das nicht verwundern. Womit wir noch nicht besprochen haben, wogegen wir rebellieren wollen.

Welche (popkulturelle) Bewegung hat dich persönlich geprägt: musikalisch, stilistisch oder politisch?

Jede Gegenkultur, die mich berührt hat und von der ich dachte, dass sie zu einem guten Leben führt. Punk, New Wave, Reggae, Soul, Jazz, Hip-Hop, Rare Groove, House, Jungle. Meine musikalische Sozialisation fand in den 80ern statt und ich hatte das Glück, die meiner Meinung nach größten musikalischen Revolutionen nach Punk – Hip-Hop, House, Jungle – in Echtzeit mitzuerleben. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, wo die britische Armee stationiert war und wir über deren Radiosender BFBS John Peel, David Rodigan und Tim Westwood hören (und tapen) konnten. Wahrscheinlich mit ein Grund, warum mir die britische Popkultur immer näher war als US-amerikanische (obwohl da oft die wichtigeren Platten herkamen).

Melting Pot Music feiert nächstes Jahr 25-jähriges Jubiläum – gab es einen ganz prägenden Moment in all den Jahren, an den du dich besonders gerne erinnerst?

Es sind keine Events zum Jubiläum geplant. Labels verlieren mit fortschreitendem Alter oft an Edge und Bedeutung und machen es sich in ihrer Nische bequem. Ins Museum wollen wir auch noch nicht. Prägende Momente gab es bestimmt. Am wichtigsten sind mir persönlich Begegnungen und Beziehungen. Manche waren kurz und heftig, aus anderen sind Freundschaften entstanden. Was mich bis heute fasziniert und inspiriert, ist, wie Musik Menschen zusammenbringt. Angetrieben von einer gemeinsamen Liebe und Leidenschaft, mit Leuten aus aller Welt zusammenzuarbeiten und ein wenig in ihre Lebensrealität einzutauchen, empfinde ich meine Arbeit als sehr bereichernd.

c/o pop versteht sich ja auch als Brennglas für neue popkulturelleEntwicklungen: Welche Bewegung oder Szene würdest du dort nächstes Jahr gerne stärker sichtbar sehen?

Die lokale, also die Leute, die in Köln die Musik am Laufen halten, wenn gerade mal nicht c/o pop ist. Artists, Labels, Plattenläden und Kollektive wie Twit One, Papercup, Dublab, Heavy Feelings, Opek, Groove Attack Record Store, Week-End Music, ENTBS, Gianni Brezzo, A-Musik, Powerhouse Records, Frente Salsero, Mash It Up, 674FM … (da sind allerdings viele Leute über 30). Ansonsten: Mehr über Musik reden und weniger über Reichweite, Selbstvermarktung und die Angst vorm Telefonieren.



Olski ist Fanzine-Macher, DJ und Musikjournalist (Spex, Viva, Arte) im Ruhestand. Gründete in den Nullerjahren Melting Pot Music, „ein Hip-Hop-Label, das keinen Rap rausbringt“ (frühe Selbstbeschreibung) und die deutsche Beatmacher-Szene maßgeblich mit prägte. 2026 arbeitet MPM mit Künstler*innen wie Twit One, FloFilz, Ray Lozano, Summers Sons, Reginald Omas Mamode IV, Radiohop und Lucy Liebe. Und veröffentlicht auch Rap und Jazz. Naming: gerne nur Olski. Wenn euch das nicht seriös genug ist, bitte Oliver „Olski“ Von Felbert.