5 Fragen an …
5 Fragen an Josefine Fredrich
Josefine, die als Managerin für die Band 01099 arbeitet. Josefine hat sich innerhalb der Musikbranche alles selbst beibringen müssen, kam aber schneller zurecht, als anfangs befürchtet. Sie rät dazu, beruflich auch mal aus der eigenen Komfortzone auszubrechen und schwört auf Menschen, die andere supporten und ihr Know-how weitergeben. Welche Entwicklung Josefine positiv findet, was für sie eine gute Beziehung zwischen Management und Künstler*innen ausmacht und wovon sie so richtig genervt ist, lest ihr hier:
Wie hat dich dein bisheriger beruflicher Weg geprägt – und was nimmst du aus den letzten zwei Jahren mit ins neue Jahr?
Ich hätte nicht erwartet, mich in einer komplett neuen Branche so schnell zurechtzufinden. Ich hatte keinen Musikindustrie-Background, keine Ahnung von den Basics und habe mir so ziemlich alles über Learning by Doing beigebracht. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie entscheidend Menschen sind, die einen supporten und ihr Wissen teilen. In den letzten zwei Jahren habe ich genau solche Menschen kennengelernt – und ohne sie wäre diese Entwicklung so nicht möglich gewesen. Mein größtes Learning ist, aus der eigenen Komfortzone rauszugehen, Fehler zu akzeptieren, ohne sich fertig zu machen und einfach weiterzumachen.
Welche Entwicklung innerhalb der Musikbranche macht dir aktuell Hoffnung?
Dass Missstände in der Musikbranche sichtbarer werden. Gleichzeitig wird immer noch viel geschwiegen über das, was im Hintergrund passiert – über Machtverhältnisse, Grenzüberschreitungen und strukturelle Probleme. Dass diese Themen heute häufiger benannt werden, ist ein wichtiger Schritt. Positiv finde ich auch, dass mentale Gesundheit von Künstler*innen mehr Aufmerksamkeit bekommt und nicht mehr komplett ausgeklammert wird. Ich habe das Gefühl, dass sich langsam ein Verständnis dafür entwickelt, dass nachhaltiger Erfolg nicht nur aus Zahlen besteht, sondern auch aus fairen Bedingungen und gesunden Arbeitsweisen.
Was macht für dich eine gute Manager*in-Künstler*in-Beziehung aus?
Ohne Vertrauen geht’s nicht. Für mich ist es die Balance zwischen Vertrautheit und professioneller Distanz. Man muss sich nahe genug sein, um ehrlich miteinander zu sprechen und gleichzeitig klar zu bleiben, wenn es um Entscheidungen und Verantwortung geht. Nähe darf nicht heißen, Kritik zu vermeiden, und Professionalität nicht, emotional auf Abstand zu gehen. Wenn beide Seiten sich ernst nehmen, offen kommunizieren und wirklich das Gefühl haben, im selben Team zu spielen, trägt sich die Zusammenarbeit auch durch stressige Phasen.
Welches Verhaltensmuster im Umgang mit FLINTA* in Managementpositionen nervt dich so richtig?
Mich nervt dieses ständige Rechtfertigen- und Sich-beweisen-Müssen. Dieses Gefühl, nicht automatisch auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden, sondern sich immer wieder erklären zu müssen. Es geht weniger um einzelne Situationen als um ein Grundrauschen, das ständig mitschwingt. Ich bin in der gleichen Position wie du, also behandel mich auf Augenhöhe – und nicht so, als hättest du die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Wenn du bei der c/o pop ein eigenes Panel oder einen Programmpunkt kuratieren dürftest – wen würdest du einladen?
Ich würde FLINTA* einladen, die an unterschiedlichen Punkten ihrer Karriere stehen. Mir wäre wichtig, nicht nur über Erfolge zu sprechen, sondern auch über strukturelle Hürden, Verantwortung und die Dinge, die nicht so glatt laufen. Am spannendsten finde ich Gespräche, in denen Erfahrungen ehrlich geteilt werden und man merkt, dass niemand allein mit seinen Fragen oder Zweifeln ist.
Ich habe Journalismus und Unternehmenskommunikation studiert und anschließend zwei Jahre als Artist Managerin sowie später als Head of Talent Management bei der Creator-Agentur Bitstream Media Lab gearbeitet. 2023 wechselte ich in die Musikindustrie zu Bamboo Artists, wo ich zwei Jahre lang das Artist- und Produktmanagement der Band 01099 verantwortete. Seit der Trennung von Bamboo im Oktober führe ich das Management von 01099 unter dem neu gegründeten Label Nullzehn99 fort.