Apsilon

Apsilon

Apsilon

24. April,
17:15–18:00

Concert @
Club Bahnhof Ehrenfeld

Den Slot von Sharaktah übernimmt spontan der Berliner Rapper Apsilon.

Als Sohn türkischer Eltern und Gastarbeitenden ist er immer noch da, wo er aufgewachsen ist – in seiner Heimat Moabit. Nach fast 10 Jahren Texte schreiben verbringt Apsilon seit gut zwei Jahren viel Zeit im Studio. Inhaltlich gibt es Deutschrap mit antikapitalistischer Analyse ohne erhobenen moralischen Zeigefinger. Provokante Gesellschaftskritik ohne Kompromisse gegen weißdeutsche Bequemlichkeit und Resignation. Die Delivery ist die volle Ladung Wut, der Sound ist trappig und modern. New Wave.

Apsilon kommt leger um die Ecke und legt Basketballreferenzen neben Rassismuskritik, reiht geschickt deutsche Redewendungen aneinander, während er sie bricht und spielt so mit der deutschen Sprache. Apsilon ist kein Besserwisserrap, kein Straße 2.0 und kommt ohne Drogenverherrlichung, blinden Hedonismus oder Frauenverachtung aus. Gleichzeitig klammert er sich nicht aus, sondern agiert als Teil dieser jungen, hoffnungsvollen, kaputten Gesellschaft, die in Widersprüchen lebt und nach allen Enttäuschungen der vorherigen Generationen gesellschaftlich und musikalisch etwas Eigenes schaffen will. Keine austauschbare Playlistkopie, keine althergebrachten Muster, recycelten Soundbilder, Gesten, Flows. Er muss nicht verkrampft oder peinlich ein junges Publikum ansprechen, denn er und seine Freund*innen sind das junge Publikum. Seine Sprache ist kanakisch und dabei akkurat, gekonnt, selbstsicher. Brachial wie seine tiefe Stimme. In seinen Texten isst er Köfte, hasst Cops und klagt Almanya an. Kes, lass stecken, die Jugend hat die Lügen gecheckt.

Die Inspiration, die Arda aus Künstler*innen wie Kendrick Lamar zieht, ist das viel beschworene Gesamtpaket: tiefe Musikalität, Verbundenheit zur Community, lyrische Komplexität und Produktion, sowie Storytelling einfach aussehen lassen und zeitgleich Kunst machen, die Unterdrückte stärkt und unterdrückerische Strukturen angreift. Funky Gesellschaftskritik und gekonnten Lyricism hat er auch mit der Musik von Künstler*innen wie Outkast, The Roots, Slowthai, Noname oder Earl Sweatshirt aufgesogen. Will er junge kanakische und kanakisierte Menschen auf dem Weg empowern? Safe. In erster Linie will er Realitäten und Verhältnisse erfahrbar machen, unbequem sein, den Status Quo musikalisch und gesellschaftlich auf links drehen.

Die Wut ist das Rückgrat und produktive künstlerische Kraft nach vorne, die sich durch die Musik zieht. Wegen Hanau, wegen den Progromen der 90er, wegen der andauernden Ausbeutung, der auch die eigene Familie als Gastarbeitende nicht entfliehen konnte. Von Gesetzen, die Menschen verachten und Profite garantieren. Apsilon setzt dagegen musikalische Gesten, die vom Lautsprecherwagen, aber auch im Mietwagen mit den Homies ballern. Weg mit der Erwartungshaltung an „die guten Deutschen“, die Vorzeigeausländer, die nicht aufmucken. Stattdessen will er auch provozieren und polarisieren. Apsilon macht keine melancholische oder resignative Musik, sondern bastelt potentielle Katalysatoren, damit andere Menschen den eigenen widerständigen Funken in sich entdecken.